Vive Simone !

Veröffentlicht am 27.04.2011 in Allgemein
Zweifellos ist es bequemer, in blinder Unterwerfung zu leben, als an seiner Befreiung zu arbeiten: Auch die Toten sind der Erde besser angepasst als die Lebenden."
  • (Simone de Beauvoir in "Das andere Geschlecht")

Am 14. April 1986 starb Simone de Beauvoir im Alter von nur 78 Jahren. Ihr Tod kam überraschend – und ihre Beerdigung auf dem Pariser Friedhof Montparnasse wurde zur „dernier manif du MLF“, zur letzten Demonstration der Frauenbewegung. Tausende Frauen und auch viele Männer folgten dem Cortège. „Sie öffnete uns die Tür. Den vielen Frauen, überall auf der Welt, deren Leben sie auf immer bewegt und erleuchtet hat“, schrieb Kate Millett in ihrem Nachruf. „Die Hälfte der Menschheit. Wer hätte je ein Buch geschrieben, das das Schicksal aller Menschen verändern würde?“

Und Alice Schwarzer, die drei Jahre zuvor gemeinsam mit Beauvoir ihre Gespräche zwischen 1972 und 1983 veröffentlicht hatte, schrieb: „Das war nicht nur ein Abschied, es war auch ein Versprechen. Versprechen, weiterzukämpfen. Für die Freiheit. Für die Selbstverantwortung. Für das Glück aller Menschen. Vor allem und endlich auch für das der weiblichen Menschen.“

Seither gab es reichlich Aufs und Abs in der Rezeption von Beauvoirs Werk, ihres Schlüsselwerks „Das andere Geschlecht“, ebenso wie ihrer Romane. Dieses Auf und Ab ist bestimmt von der jeweils herrschenden Ideologie. Sind Frauen „anders“? Oder sind die Geschlechter im Prinzip gleich, die Gemeinsamkeiten größer als die Unterschiede und letztere nicht definierend für einen Menschen?

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte sich eigentlich die Auffassung von der Gleichheit der Geschlechter durchgesetzt – doch der Rückschlag ließ nicht auf sich warten. Er manifestiert sich heute vor allem im religiösen Fundamentalismus, im Islam wie im Christentum. Auch deshalb ist Beauvoirs Denken jetzt aktueller denn je zuvor.

 

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